Die blanke 8 – Null oder Null Ouvert?

Dies ist ein Gastbeitrag ist von Richard Holzer.

Wann sollte man mit einer blanken 8 als einzige schwache Karte Null Ouvert spielen und wann einen geschlossenen Null?

In Vorhand ist die Antwort sehr einfach: Man kann die blanke 8 im ersten Stich ausspielen und dadurch mit hoher Wahrscheinlichkeit gewinnen, daher ist Null Ouvert hier immer besser als Null.

Für die Mittelhandposition führen wir nun eine mathematische Analyse für zwei Beispielblätter durch. Diese Analyse ist ein Auszug aus dem noch unveröffentlichten Buch „Mathematische Analyse von Skat“, das ich zur Zeit erstelle. Bis zur Veröffentlichung wird es noch eine Weile dauern, ich werde kurz vor der Veröffentlichung des Buchs in diesem Blog noch einige weitere Ergebnisse darstellen.

Wir betrachten beim einem Preisskat folgendes Blatt in Mittelhand nach Skataufnahme beim Reizwert 18:

Kreuz Kreuz Kreuz Kreuz 10Kreuz Pik
Pik Pik Herz Herz Karo Karo

Wir drücken Herz Ass und Karo Ass und müssen uns zwischen Null und Null Ouvert entscheiden. Dazu analysieren wir, welches der beiden Spiele im Durchschnitt mehr Punkte liefert. Wenn man Null Ouvert gewinnt, erhält man zusätzlich zu den 46 Punkten noch 50 Punkte am Ende der Liste für das gewonnene Spiel, also insgesamt 46+50 = 96 Punkte, wenn man jedoch verliert erhält man -92-50 = -142 Punkte. Wenn man Null gewinnt, erhält man 23+50 = 73 Punkte und wenn man Null verliert erhält man -46-50 = -96 Punkte.

Beim Null Ouvert kann man von einem optimalen Gegenspiel ausgehen, d.h. allein der Kartenstand entscheidet hier über Gewinn oder Verlust. Mit einem Computerprogramm kann man die Wahrscheinlichkeit für die Gewinn-Kartenverteilung ausrechnen: Die Wahrscheinlichkeit, Null Ouvert zu gewinnen, beträgt 67% und die Verlustwahrscheinlichkeit ist somit 33%. Damit ergibt sich der Erwartungswert (= durchschnittliche Punktzahl) beim Null Ouvert:

67% * 96 Punkte + 33% * (-142 Punkte) = 17 Punkte

Für den nicht offenen Null lässt sich die Gewinnwahrscheinlichkeit nicht bestimmen, weil sie nicht nur vom Kartenstand sondern auch vom Gegenspiel abhängt. Hier verwenden wir eine Schätzung aus der relativen Gewinnhäufigkeit der Skat-Online-Datenbank. Wenn man alle Spiele in Mittelhand und Hinterhand betrachet mit
5 sichere Karten in 1. Farbe,
3 sichere Karten in 2. Farbe,
1 sichere Karte in 3. Farbe und eine unsichere Karte dieser Farbe gedrückt, blanke 8 in 4. Farbe und eine hohe Karte dieser Farbe gedrückt, dann finden wir in der Skat-Online-Datenbank (Stand Oktober 2017) 1.635 Null-Spiele, die nicht offen gespielt wurden, wobei 1.569 gewonnen und 66 verloren wurden. Die relative Gewinnhäufigkeit ist ein Schätzwert für die Gewinnwahrscheinlichkeit:

1569/1635 = 96%

Die Schätzung für die Verlustwahrscheinlichkeit ist somit 4%. Dies führt zur Schätzung des Erwartungswerts der Punktezahl beim Null:

96% * 73 Punkte + 4% * (-96 Punkte) = 66 Punkte

Wegen 66 Punkte > 17 Punkte ist für dieses Blatt Null besser als Null Ouvert.

Für das folgende Blatt in Mittelhand ergibt sich jedoch ein anderes Ergebnis:

Kreuz Kreuz Kreuz Kreuz 10Kreuz Kreuz
Pik Pik Pik Herz Herz Karo

Mit diesem Blatt ist nach dem Drücken von Herz König und Ass Null Ouvert besser als Null, weil der Erwartungswert (laut Computer) für Null Ouvert hier 80 Punkte beträgt, welche sicher besser sind, als 73 Punkte von einem gewonnen Null.

Weitere computerunterstütze Analysen zeigen: Wenn man in der Farbe der blanken 8 keine Karte gedrückt hat, ist Null Ouvert meistens besser als Null (sofern man durch die Informationen aus dem Reizvorgang keine gegenteiligen Indizien erhalten hat).

Richard Holzer

Skat in Zahlen

Neulich hat sich ein Spieler bei mir beschwert. Er habe gerade bei Skat-Online eine 24er Serie gespielt. In dieser Serie habe es 9 Grands gegeben, das würde jeglicher Logik widersprechen und er habe so etwas in den vielen Jahren, in denen er Skat spiele, noch nie erlebt.

9 Grands in 24 Spielen fand ich nicht wirklich außergewöhnlich. Ich erinnere mich an eine Serie in einer Qualifikation zur Hessischen Einzelmeisterschaft in der wir in der ersten Hälfte einer 48er Serie von 24 Spielen ganze 22 Grands gespielt hatten. Alle wurden gewonnen.

Beim Skat werden zu jedem Spiel die Karten neu gemischt. Und der Zufall interessiert sich nunmal nicht dafür, wieviele Grands bereits ausgegeben wurden und wer diese bekommen hat. Der Zufall ist beim Skat gedächtnislos. Beim nächsten Spiel ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Grand ausgegeben wird, wieder genau so hoch wie im Spiel davor und im Spiel danach.

Aber wie hoch ist überhaupt die Wahrscheinlichkeit für einen Grand beim Skat? Genau ausrechnen lässt sich das natürlich nicht, denn da spielen noch eine Menge weiterer Faktoren eine Rolle wie die Risikofreudigkeit der Spieler. Zum Glück haben wir aber bei Skat-Online eine große Datenbank mit Daten aus Millionen von Spielen.

Bei einer Analyse über alle im Turnierbereich gespielten Spiele kam ich zu folgender Verteilung:

Eingepasste Spiele4,97%
Karo10,19%
Herz12,67%
Pik15,39%
Kreuz20,07%
Grand30,64%
Null6,07%

In der Liga-Datenbank waren die Ergebnisse ähnlich, allerdings wird in der Liga etwas defensiver gespielt, so dass die Anzahl der eingepassten Spiele etwas höher (5,23%) und die Anzahl der Grand etwas niedriger (26,49%) war.

Dieses Ergebnis entspricht meinen Erwartungen. Grand ist nunmal das Spiel mit dem höchsten Grundwert und überbietet damit die meisten Null- und Farbspiele. Wenn ein Spieler einen Grand hat, wird er ihn mit großer Wahrscheinlichkei auch spielen. Hinzu kommen die Grands, die gespielt werden, weil ein Spieler sein Farbspiel durch einen Buben im Skat überreizt hat oder wo ein Grand gewagt wird, weil man ein gutes Blatt nicht für einen Null Ouvert hergeben möchte.

Aber sind die Zahlen repräsentativ? Sieht das beim „Offline“-Skat vielleicht ganz anders aus? Natürlich ist es beim Offline-Skat nicht ganz so einfach, ein paar Millionen Spiele zu untersuchen. Glücklicherweise haben Frank Schettler und Günter Kirschbach im Buch Das große Skatvergnügen“ (Amazon Link, leider nur noch gebraucht erhältlich) immerhin 20.000 Spiele ausgewertet (alle Zahlen sind hier auch online verfügbar, vielen Dank an Thomas Kinback für den Hinweis).

Eingepasste Spiele1,98%
Karo10.99%
Herz13,45%
Pik16,81%
Kreuz22,06%
Grand29,99%
Null6,69%

Die Zahlen sehen sich wirklich ziemlich ähnlich.

Doch nun zurück zu der außergewöhnlichen Serie, bei der 9 von 24 Spiele ein Grandspiel waren. Das entspricht einer Quote von 37,5% und liegt damit tatsächlich über dem Durchschnitt von 30%. Bei einer so geringen Spieleanzahl ist eine Abweichung von 7,5% aber so gering, dass man eher von einer durchschnittlichen Serie sprechen muss. Bereits bei zwei Grands weniger (7 von 24) läge der Grand-Anteil unter der 30%-Marke.

Aber Zufall ist nunmal Zufall. So gibt es bei uns auch 24er Serien, in denen nur ein oder zwei Grands gespielt wurden und genauso gibt es 24er Serien, bei der deutlich mehr als die Hälfte aller gespielten Spiele Grands waren.

Der wandernde Skat

Eine sehr interessante Anfrage zur Skatordnung:

Mittelhand reizt 18, Vorhand passt. Mittelhand hebt eine Karte des Skats auf, woraufhin Hinterhand protestiert, da er mit dem Reizen an der Reihe gewesen wäre.

Die Karten von Mittelhand und der Skat werden daraufhin gemischt und der Skat daraus gezogen. Mittelhand wird vom Reizen ausgeschlossen.

Hinterhand nimmt nun den neu ermittelten Skat auf. Nun protestiert Vorhand: Es habe keine Reizung stattgefunden, nachdem Mittelhand vom Reizen ausgeschlossen wurde. Hinzerhand sagt, dass Vorhand ja bereits gepasst hatte und somit nur er als potenzieller Alleinspieler übrig bliebe.

Die beiden herbeigerufenen Schiedsrichter waren sich nicht einig.

Schiedsrichter A wollte, dass neu gegeben wird. Schiedsrichter B wollte, dass nun Hinterhand vom Reizen ausgeschlossen wird und Vorhand ein Reizgebot abgeben oder passen kann.

Ein ganz schön kniffliger Fall, den ich so auch nicht in der Entscheidungssammlung des Internationalen Skatgerichts vorgefunden habe.

Zunächst einmal ist eines ganz einfach: Schiedsrichter A hat auf keinen Fall recht! ISkO 3.2.16 regelt das:

Nach ordnungsgemäßem Geben muss ein gültiges Spiel zustande kommen. Auch ein eingepasstes Spiel ist ein gültiges Spiel […].

Es wurde ordnungsgemäß gegeben, also muss auch ein gültiges Spiel zustande kommen. Es gibt nur eine einzige Ausnahme zu dieser Regel, die hier aber nicht zu tragen kommt (ungleiche Karten bei beiden Parteien). Damit ist schonmal klar, dass die Entscheidung von Schiedsrichter A nicht richtig ist.

Fangen wir mal bei dem ersten Regelverstoß an. Mittelhand nimmt vor Beendigung des Reizens eine Karte des Skats auf. Eventuell wurde hier bereits ein Fehler gemacht. In ISkO 3.3.10 steht:

Will jemand ein Spiel machen, obwohl der Skat von einem Spieler vor Beendigung des Reizens aufgenommen wurde, hat der Kartengeber aus den 12 Karten, die vom Schuldigen zu mischen sind, zwei Karten als Skat verdeckt zu ziehen. Der ursprünglich gelegene Skat ist nur dann auszuhändigen, wenn er von allen Spielern eindeutig ausgemacht werden kann. Wird dieser Regelverstoß vor Beendigung des Reizens begangen, aber erst nach Beendigung des Reizens festgestellt, muss der Alleinspieler vor Skataufnahme entscheiden, ob er spielen oder einpassen will.

Wenn der Skat also noch identifizierbar war (immerhin war ja bislang auch nur eine einzige Karte aufgenommen worden), dann hätte der Skat gar nicht aus den Handkarten von Mittelhand gezogen werden dürfen.

Hinterhand war nun der Meinung, dass er nicht erneut reizen muss, da Mittelhand vom Reizen ausgeschlossen wurde und Vorhand bereits gepasst hatte. ISkO 3.3.9 regelt das:

Hat ein Spieler vor Beendigung des Reizens den Skat angesehen oder aufgenommen oder die Karten eines Mitspielers unberechtigt eingesehen, ist er vom weiteren Reizen auszuschließen. Außerdem sind die anderen Spieler nicht mehr an ihr Reizgebot gebunden. Sie können einpassen oder neu reizen. Das gilt auch, wenn der Kartengeber oder ein anderer Mitspieler den Skat vor Beendigung des Reizens angesehen hat. Spieler, die vor Abgabe eines Reizgebotes gepasst haben, dürfen nicht am neuen Reizvorgang teilnehmen […].

Vorhand darf also durchaus wieder am Reizen teilnehmen, da sie nicht mehr an ihr ursprüngliches Reizgebot gebunden ist. Hinterhand hat also den Skat ebenfalls unberechtigt aufgenommen und ist damit vom Reizen auszuschließen. Vorhand kann nun ganz alleine entscheiden, ob er ein Spiel wagen oder das Spiel einpassen möchte.

Im konkreten Fall hat sich übrigens Schiedsrichter A durchgesetzt, das Spiel wurde neu gegeben. Das Internationale Skatgericht macht in seiner Entscheidungssammlung aber sehr deutlich, dass die Skatregel 3.2.16 bindend ist und keine Ausnahme zulässt. Nachdem ordentlich gegeben wurde muss ein Spiel zustande kommen. Egal wie weit der Skat gewandert ist.

Schneider sind auch nur Leute

Ich saß in der Qualifikation zur Einzelmeisterschaft (LV Hessen). Während ich nach dem Samstag an Tisch 2 saß, lief es am Sonntag nicht so gut. In der letzten Serie fehlten mir noch ein paar Spiele, um mich sicher für die EM zu qualifizieren. Leider fehlte mir das Kartenglück, ich stand ca. zwei Runden vor Ende 5:1 da. Da bekam ich ein ziemlich gutes Kreuzspiel auf die Hand. Aber ich kam in Vorhand nicht an das Spiel ran, da der Spieler in Mittelhand der Meinung war, unbedingt noch ein Spiel verlieren zu müssen. Er hatte sich längst qualifiziert, er stand da mit 13:2 Spielen.

Nachdem ich selbst mit Hand-Reizung das Spiel nicht bekam, nahm er den Skat auf und fing sofort an zu jammern. Da habe man schon nichts auf der Hand und finde auch noch Müll. Er sagte dann einen Grand an.

Nach fünf oder sechs Stichen warf er die Karten mit den Worten hin „Das kann ich wohl nicht mehr gewinnen“. Konnte er nicht, wir hatten bereits 64 Augen in unseren Stichen. Ich hatte daher auf Weiterspiel bestanden. Warum auch nicht, gewonnen hatten wir bereits und ich hatte mich über die überflüssige Abreizerei so geärgert, dass mir der Sinn nach etwas Demütigung stand.

Am Ende hatten wir 91 Augen erzielt und er konnte sich über 144 Nasse und einen Euro Abreizgeld freuen.

Gerne würde ich jetzt berichten, dass ich den Rest der Serie noch die mir fehlenden Spiele bekommen und mein Abreizer-Freund sich nicht mehr qualifiziert hatte. Aber Skat ist nunmal grausam. Er hat es sogar aufs Treppchen geschafft, bei mir blieb es beim 5:1 und ich landete auf dem undankbaren ersten Nachrücker-Platz. Aber bis auf diesen einen Vorfall war es ein sehr netter Tisch und für meine schlechten Karten konnte schließlich niemand etwas.

Die emotionale Seite des Skats

Skat wird ja oftmals als sehr kalkulierbar, strategisch und damit als „emotionslos“ dargestellt. Durchaus auch in diesem Blog. Es gibt natürlich Ausnahmen.

In inzwischen über einem Dutzend Jahren Skat-Online gab es auch einige sehr emotionale Momente. Von zweien, die mir besonders im Gedächtnis geblieben sind, möchte ich Euch erzählen.

Diese Geschichte hatte ich schonmal erzählt. Ein älterer Spieler schrieb mich an. Er wäre leidenschaftlicher Skatspieler und dank Skat-Online wäre er wieder in der Lage, sein liebstes Hobby auszuüben. Er war behindert und konnte daher nicht mehr an „echten“ Skatturnieren teilnehmen. Er hätte aber einen Wunsch. Er könne wegen seiner Behinderung die Maus nur schwer bedienen. Er bat darum, eine Tastatursteuerung in Skat-Online einzubauen. Ich habe das sofort eingebaut und kurze Zeit später online gebracht. Das Feature ist noch heute drin, mit der EINFG-Taste kann man die Tastaturbelegung während des Spiels ein- und ausschalten. Der Spieler, für den ich das eingebaut habe, hat davon leider keinen Gebrauch mehr machen können, wie ich später erfahren musste.

Eines Tages erreichte mich eine E-Mail mit einem Foto eines Paares und einem erst wenige Tage alten Baby auf dem Arm der Mutter. Die stolzen Eltern hatten sich auf Skat-Online kennen gelernt. Sie kamen aus zwei völlig unterschiedlichen Ecken der Republik und kommunizierten erst lange Zeit online. Nach ca. einem Jahr trafen sie sich erstmals, kurze Zeit später zogen sie zusammen. Und nein, sie wollten Ihren Sohn nicht Wenzel nennen.

Wenn es Skat nicht bereits gäbe, müsste man es echt erfinden.

Die Kleinen jagen die Großen

Ich habe da mal wieder eine „Bauernregel“. Die ist gar nicht so schlecht.

Die Kleinen jagen die Großen

Mit „Kleinen“ und „Großen“ sind Trümpfe gemeint. Also „Die kleinen (niedrigen) Trümpfe jagen die großen (hohen) Trümpfe“.

Ein Beispiel: Der Alleinspieler hat folgende Trumpfkarten beim Karospiel in Vorhand:

Kreuz BubePik BubeKaro AssKaro 10Karo 9Karo 8

Man könnte nun versucht sein, zunächst die beiden schwarzen Buben zu spielen, um den Gegenspielern die Trümpfe zu ziehen. Das ist aber nur dann erfolgreich, wenn die beiden anderen Buben auf einer Hand sitzen und dieser Spieler keine weiteren Trumpfkarten hat. Dann kann man anschließend mit dem Karo Ass noch die letzte Trumpfkarte ziehen.

Bei jeder anderen Kartenverteilung behalten die Gegenspieler aber noch wenigstens einen Buben. Auf diesen Trumpfstich kann der andere Gegenspieler dann auch noch schmieren.

Wenn ich nun zunächst eine kleine Trumpfkarte ziehe, dann fallen auf diesen Stich maximal 7 Augen, vorausgesetzt die restlichen Trumpfkarten liegen nicht alle auf einer Hand. Selbst dann, wenn die Trümpfe ungünstig verteilt sind (z.B. 4 zu 1 oder sogar 5 zu 0) ist es besser, zunächst einen kleinen Trumpf vorzuspielen. Ich behalte mir meine hohen Trumpfkarten und kann vielleicht eine Trumpf-Gabel aufbauen.

Natürlich gibt es auch von dieser Regel wieder Ausnahmen. Angenommen, ich habe in der Beikarte Kreuz Ass, 10 und Lusche und der Gegenspieler, der von mir aus in Hinterhand sitzt, hat diese Farbe gereizt. Dann kann es sinnvoll sein, zunächst die beiden schwarzen Buben zu ziehen, um zu verhindern, dass Hinterhand an den Stich kommt, die Farbe ausspielt und Mittelhand mir den Vollen wegstechen kann.

Ein anderes Beispiel, wieder ein Karo-Spiel:

Herz BubeKaro BubeKaro 10Karo KönigKaro 8Karo 7

Auch hier kann man versucht sein, den Karo oder Herz Buben auszuspielen. Es ist aber besser, hier eine Lusche vorzuspielen. Zum Einen sind das zwei Augen weniger für die Gegenspieler. Zum Anderen werde ich das Karo Ass ohnehin kaum fangen können. Die kleinen Trümpfe werden die großen Trümpfe bei den Gegenspielern herausziehen.

Angenommen, einer der Gegenspieler hat in Trumpf nur die beiden schwarzen Buben. Spiele ich den Karo Buben und anschließend den Herz Buben, dann gebe ich den Gegenspielern die Gelegenheit zu einem dritten Trumpfstich mit dem Karo Ass. Spiele ich die Luschen vor, geht der dritte Trumpfstich an mich.

Alles in allem eine Regel, die man sich merken kann.

 

Großartige Skatspieler

Ich hatte ja bereits erwähnt, dass ich in meinem Skatleben mit vielen großartigen Menschen Skat spielen durfte. Ein Erlebnis ist mir dabei noch sehr gut in Erinnerung. Ich war damals noch sehr jung, so 14 oder 15. Es war mein erster Spielabend in einem Skatverein, dem ich dann noch lange, lange Zeit angehören sollte. Ich war ziemlich nervös, allzu viele jüngere Spieler gab es damals nicht. Und dann durfte ich auch noch schreiben!

Es kam, wie es kommen musste, ich habe mich in der Liste vertan und der Fehler war nicht mehr zu korrigieren. In so einem Fall müssen alle Spiele der angefangenen Runde gestrichen und die Runde neu begonnen werden. Das waren ganze drei, darunter zwei teure Grands. Keins dieser Spiele wurde von mir gespielt. Ich ging nun fest davon aus, dass meine Mitspieler – zu recht – verärgert über mein Missgeschick waren. Weit gefehlt, die Streichung wurde sofort akzeptiert und es ich wurde mit Sätzen wie „Ist mir auch schon passiert“ und „Alle Spieler sind für die Listenführung verantwortlich“ beruhigt.

Umso mehr hat es mich gefreut, dass ich diesen Verein später bis in die zweite Bundesliga begleiten durfte.

Skat im Schonwaschgang

Wir hatten vor einiger Zeit ein Spiel des Monats. Eigentlich war es kein besonders gutes Spiel, der Monat hat leider nicht viel hergegeben und die Auswahl war nicht groß. In dem Spiel wurden sehr viele Fehler gemacht, sowohl von den Gegenspielern als auch vom Alleinspieler.

Dennoch war das Spiel sehr interessant. Denn es zeigte eine ziemliche Unart beim Skatspielen. Der Alleinspieler hatte eigentlich keine Gewinnchance. Er hatte zwar die drei alten Bauern, aber vier Luschen in der Beikarte. Dennoch sind die Gegenspieler fast Schneider geworden, denn sie haben es das ganze Spiel über vermieden, auch nur eine einzige Volle anzufassen. Der Alleinspieler konnte sich seiner schlechten Beikarte sehr günstig entledigen.

Leider ist das keine Seltenheit. Aus lauter Angst, man könnte dem Alleinspieler zu viele Augen zum Stechen geben, wird dem Alleinspieler jede Gelegenheit gegeben, sein Blatt zu säubern.

Natürlich kann es manchmal wichtig sein, seine Vollen zu schonen. Hat man z.B. keine oder wenig Trumpf oder ist man eine Farbe frei, dann kann es richtig sein, seine Vollen zum Schmieren für den Partner aufzuheben.

Aber gerade im genannten Spiel des Monats hatten die Gegenspieler eigentlich kein Problem, die richtige Taktik zu finden. Jeder der Gegenspieler hatte alle Farben (wenigstens zwei Karten in jeder) und zwei bzw. drei Trumpf. Die Vollen können also nur dann eingebracht werden, wenn der Alleinspieler die jeweilige Farbe bekennen muss. Hätten die Gegenspieler ihre Vollen durchgespielt, hätten sie längst gewonnen, bevor der Alleinspieler überhaupt an den Stich gekommen wäre.

Gut geschnitten ist halb gewonnen

Wenn wir schon beim Schnippeln sind.

In der Regel schneidet man ja auf die 10 des Gegners. Das ist aber nur die halbe Wahrheit.

Angenommen, ich bin in Hinterhand und habe in einer Fehlfarbe diese Karten:

Herz 10Herz DameHerz 8

Der Alleinspieler in Vorhand spielt nun aus:

Herz 7Herz 9

Jetzt bin ich dran. Natürlich ist es erstmal naheliegend, die Herz 10 zu spielen. Und es gibt eine ganze Menge Spiele, in denen diese Karte genau die richtige wäre. Wenn der Alleinspieler aber neben der 7 auch noch das Ass und den König in Herz hat, dann kann ich versuchen, auf seinen König zu schnippeln. Ich nehme dann den Stich nur mit der Dame mit.

Wenn mein Plan aufgeht und der Alleinspieler muss irgendwann den Herz König ausspielen, dann kann mein Partner auch noch auf den Stich schmieren. Das wären bis zu 18 Augen mehr, als wenn ich gleich die Herz 10 spiele. Das kann schonmal spielentscheidend sein.

Bevor ich mich dazu entscheide, die Herz Dame statt der Herz 10 zu nehmen, sollte ich aber eine Abwägung vornehmen. Es besteht nämlich die Möglichkeit, dass die Karten ganz anders sitzen:

Vielleicht hat mein Partner das Herz Ass und er vermutet die Herz 10 beim Alleinspieler. Dann hätten wir beide geschnippelt, ich auf den König und mein Partner auf die 10. Und der Alleinspieler wäre eine blanke Lusche sehr, sehr billig losgeworden.

Selbst wenn der Alleinspieler den König und das Ass hat, kann er den König immernoch gedrückt haben. Und selbst wenn er den König noch auf der Hand hat, kann er ihn vielleicht bei nächster Gelegenheit irgendwo abwerfen.

Am Besten funktioniert das Schnippeln auf den König dann, wenn die Gegenspieler zu dem Zeitpunkt mindestens 28 Augen und maximal 49 Augen haben. Mit der Herz Dame sind die Gegenspieler sicher aus dem Schneider und sie können durch die 10 nicht gewinnen. Das Risiko ist also minimal. Zudem hilft es, wenn ich die Karten des Alleinspielers genau kenne. Wenn ich die Trümpfe und anderen Fehlfarben genau beobachtet habe, kann ich besser abschätzen, wie wahrscheinlich es ist, dass der Alleinspieler neben der ausgespielten Karte auch noch Ass und König auf der Hand hat.

Außerdem ist es hilfreich, wenn ich sicherstellen kann, dass der Alleinspieler den König in der Farbe nicht oder nicht billig abwerfen kann. Wenn ich z.B. einen kleinen Trumpf habe, über den ich den Alleinspieler wieder an den Stich bringen kann. Oder ich kann ihm ein Volles anbiete. Bevor ich die Dame lege sollte ich also gut überlegen, wie mein nächstes Ausspiel aussieht.

Wenn ich als Alleinspieler in der Situation bin, dass ein Gegenspieler auf meinen König geschnitten hat, dann muss ich darauf reagieren. Eine Möglichkeit habe ich bereits geschildert: ich kann versuchen, den König billig abzuwerfen.

Ich sollte auf jeden Fall versuchen herauszufinden, welcher der Gegenspieler die 10 in der Farbe hat. Vielleicht gelingt es mir im Endspiel, diesen Spieler an den Stich zu bekommen, so dass er gezwungen ist, diese Farbe auszuspielen. Dann dreht sich das Blatt. Anstatt dass er mir meinen König herausschnippelt, schneide ich ihm seine 10 heraus.

Ohne das mit Zahlen belegen zu können, habe ich das Gefühl, dass das Herausschneiden des Königs deutlich öfter mislingt als gelingt. Aber in den Spielen, bei denen es gelungen ist, war das oftmals der einzige Weg, das Spiel des Alleinspielers zu Fall zu bringen.

 

Der nicht begangene Regelverstoß (2)

Ich muss zu meinem letzten Beitrag ein paar Punkte ergänzen, ich habe es mir an zwei Stellen etwas einfach gemacht.

Wird ein Regelverstoß begangen, nachdem das Spiel bereits entschieden ist, spielt der Regelverstoß keine Rolle. Ein einmal gewonnenes Spiel kann auch durch einen Regelverstoß nicht mehr verloren werden.

Außerdem gibt es eine Situation, in der ein Spiel doch in der Stufe „Schneider“ abgerechnet wird, wenn die Gegenspieler einen Regelverstoß begehen. Nämlich genau dann, wenn der Alleinspieler auf Grund der Reizhöhe die Gegenspieler Schneider spielen muss. Aber auch hier gilt: Wenn die Gegenspieler bereits aus dem Schneider waren, verliert der Alleinspieler auch nach einem Regelverstoß der Gegenspieler.