Glück gehabt

Die Aufregung war meinem Mitspieler deutlich anzusehen. Ein „Pokerface“ hatte er wahrlich nicht aufgesetzt.

Er war in Hinterhand und fieberte dem Zeitpunkt entgegen, dass er nun endlich mit Reizen drankam. Das war auch schnell der Fall, als ich in Mittelhand 20 reizte, passte Vorhand.

„Hat jemand mehr als einen Grand Ouvert?“ verkündete er dann direkt. Und legte kurz darauf seine Karten offen auf den Tisch. Die Freude wich aber schnell blankem Entsetzen, als er sich sein Blatt etwas besser anschaute. Er hatte neben den vier Buben fünf Herzkarten – und eine blanke Karo 10! In der Aufregung hatte er diese zwischen Herz Ass und Herz König einsortiert und da wir mit einem 2-Farb-Blatt spielten, seinen Irrtum zunächst nicht bemerkt.

Auch wenn es „nur“ ein Clubabend war, ein verlorener Grand Ouvert ist natürlich etwas sehr Ärgerliches – und das nicht nur wegen der 50 Cent Abreizgeld.

Tja, was soll ich sagen. Das Karo Ass lag im Stock und die Herz 10 hatte ich blank…

Der vermeintliche Kartenverrat

Sowas war mir auch noch nicht passiert. Aber irgendwann ist immer das erste Mal. Ich war Gegenspieler und nach dem dritten oder vierten Stich in Hinterhand. Der Alleinspieler spielt irgendeine Fehlfarbe aus, mein Mitspieler übernahm und ich überlegte einen Moment, welche meiner drei Karten der Farbe ich zugebe.

Da wirft der Alleinspieler seine Karten hin. Ich hätte meine Karten verraten, er hätte sein Spiel daher gewonnen. Durch mein Zögern hätte ich ganz klar meinem Partner signalisiert, dass ich wenigstens zwei Karten der Farbe hätte. Und das wäre ganz eindeutig Kartenverrat.

Ich war ziemlich baff. Zugegeben bin ich eher ein schneller Spieler. Aber in diesem Spiel war mir sehr schnell klar, dass wir eine ganz gute Chance hatten, das Spiel zu gewinnen. Und da nehme ich mir durchaus mal etwas Zeit.

Daher antwortete ich dem Alleinspieler, dass ich wohl das Recht hätte, mir auch in Hinterhand ein paar Gedanken über die Karte zu machen, die ich legen möchte. Auch wenn das bedeuten könnte, dass mein Partner in Mittelhand irgendwelche Schlüsse daraus zieht.

Es gäbe an der Stelle nichts zu überlegen, da mein Partner ja den Stich gemacht hätte, wäre klar, dass ich die höchste Karte der Farbe zugeben müsste.

Erstmal hat der Alleinspieler ja nicht ganz unrecht. ISkO 4.2.9 sagt hier:

Alle Mitspieler haben sich jeglicher Äußerungen und Gesten zu enthalten, die geeignet sind, die Karten zu verraten oder den Spielverlauf zu beeinträchtigen. […]

Und tatsächlich verrät mein Zögern etwas über mein Blatt. Hätte ich nur eine einzige Karte dieser Farbe, dann hätte es nichts zum Überlegen gegeben. So aber weiß mein Partner, ich habe noch wenigstens eine weitere Karte dieser Farbe. In bestimmten Situationen kann das tatsächlich spielentscheidend sein.

Andererseits muss es wohl erlaubt sein, auch in Hinterhand einen Moment über die richtige Karte nachzudenken. In der konkreten Situation war das nämlich nicht ganz so einfach, wie der Alleinspieler das behauptete. Er hatte eine Lusche der Fehlfarbe ausgespielt, mein Partner hatte mit dem Ass übernommen. Ich hatte die anderen beiden Luschen und den König. Und da habe ich überlegt, wie wahrscheinlich es ist, dass der Alleinspieler noch die 10 und die Dame der Farbe auf der Hand hat. Dann würde ich mit dem König nämlich noch einen Stich machen. Auch dann, wenn er die 10 gedrückt hat. Hat er weder 10 noch Dame auf der Hand, würde ich aber ggf. wichtige vier Augen verschenken.

Der Alleinspieler bestand auf den sofortigen Spielgewinn. Nicht ganz ohne Grund: Tatsächlich war sein Spiel kaum noch zu gewinnen. Er rief einen Schiedsrichter. Und da die Skatordnung kein Ersatz für den gesunden Menschenverstand ist, hat dieser entschieden, dass kein Regelverstoß vorlag. Zum Glück gibt’s da ja noch ISkO 4.5.2.

Alle Teilnehmer haben sich in jeder Situation fair, sachlich und sportlich zu verhalten und kein fadenscheiniges Recht zu suchen.

Was dann?

Gestern bin ich nach langer Zeit endlich mal wieder zum „Offline“-Skatspielen gekommen. Es war eine sehr schöne Runde, auch wenn uns die Hitze nicht gerade zu einem konzentrierten Spiel verleitet hat.

In einem Spiel reize ich ein nettes Spiel ohne 3 bis 36. Ich finde den Kreuz Buben, was mich zum Grand zwingt. Ich war nicht in Vorhand und hatte nur eine lange Farbe in der Beikarte. Ich kann also nur gewinnen, wenn die beiden Bauern verteilt sind (oder einer meiner beiden Mitspieler blank in meine lange Farbe aufspielt, auf so einen Fehler durfte ich aber nicht setzen).

Ich hatte Glück, die beiden Bauern lagen verteilt und ich spielte meine Gegenspieler sogar Schneider. Und mehr als Glück war es nicht, das Spiel war so nicht geplant gewesen und eine Alternative zum Grand gab es nicht. Immerhin durfte ich aufgrund der Reizung darauf hoffen, dass einer der Mitspieler „ohne zwei“ gereizt hat.

Es war wohl die Hitze, die anschließend zu diesem wahrhaft geistreichen Dialog zur Spielanalyse führte:

Mitspieler: „Und was hättest Du gemacht, wenn die Bauern nicht verteilt gewesen wären?“
Ich: „Dann hätte ich das Spiel verloren.“

Na, damit war doch alles gesagt.

Ein Zeichen setzen

Ich habe schonmal darauf hingewiesen, man kann es aber gar nicht oft genug schreiben.

Die Gegenspieler dürfen – und müssen – sich Hinweise auf ihre Karten geben. Das aber natürlich streng nach dem Regelwerk.

Klassisches Beispiel: Der Alleinspieler spielt Kreuz und der Gegenspieler in Mittelhand hat folgende Trumpfkarten auf der Hand:

Karo Kreuz Kreuz

Spielt jetzt der Alleinspieler den Kreuz Buben aus, legt der Gegenspieler in Mittelhand zunächst die Kreuz 7. Er wartet jetzt auf ein Zeichen von seinem Partner in Hinterhand. Angenommen, dieser legt die Kreuz 9 und der Alleinspieler spielt jetzt den Pik Buben aus. Welche Karte legt Mittelhand?

Ganz klar: Mittelhand muss den Karo Buben zugeben. Und zu diesem Spielzug gibt es auch keine Alternative! Es gibt in dieser Situation kein „wenn/aber“. Der Gegenspieler in Hinterhand hat mit der Kreuz 9 ein eindeutiges Signal gesetzt. Und nun ist es an dem Gegenspieler in Mittelhand ein entsprechendes Signal zu setzen.

Im ersten Stich ist der Herz Bube nicht gefallen. Dieser sitzt also entweder beim Alleinspieler – in diesem Fall spielt es keine Rolle, ob ich die Kreuz Dame oder den Karo Buben lege – oder bei meinem Partner. Und mein Partner zeigt mir mit der Kreuz 9 an, dass er mit dem Herz Buben einen Stich machen kann, sonst hätte er ihn auf den ersten Stich gelegt (zu diesem Beispiel später mehr). Wenn mein Partner mit dem Herz Buben einen Stich machen kann, dann sollte der Spieler in Mittelhand aber nicht nur wegen dem einen Auge mehr die Kreuz Dame behalten. Angenommen, der Spieler in Hinterhand hat diese Karten in Trumpf:

Herz Kreuz Kreuz

Wenn der Gegenspieler in Mittelhand auf den zweiten Stich nicht den Karo Buben zeigt, muss der Gegenspieler in Mittelhand davon ausgehen, dass dieser beim Alleinspieler sitzt. Und damit muss er das Kreuz Ass zugeben, um mit dem Herz Buben einen sicheren Stich zu machen. Zeigt der Gegenspieler aber den Karo Buben, kann Hinterhand den Herz Buben zugeben, da sein Kreuz Ass hoch ist.

Jetzt ändern wir das Beispiel etwas ab. Hinterhand hat nur diese Trumpfkarten:

Herz Kreuz

Der Alleinspieler spielt im ersten Stich den Kreuz Buben, Mittelhand die Kreuz 7. Nun ist es an Hinterhand, ein Zeichen zu geben. Er muss seinem Partner den Herz Buben zeigen und diesen zugeben. Denn hat der Alleinspieler die beiden schwarzen Buben, macht er ohnehin keinen Stich. Und ist der Pik Bube bei seinem Partner, hat er zwar zwei Augen hergegeben. In diesem Fall ist das Zeichen aber wichtiger als die möglicherweise zwei fehlenden Augen. Denn der Gegenspieler in Mittelhand weiß nun, dass er mit seinem Karo Buben einen Stich macht und wird im zweiten Stich entsprechend spielen.

Liebe Skatfreundinnen und Skatfreunde. Skat ist kein einfaches Spiel und es gibt unendlich viele Situationen, in denen es viele verschiedene Spielweisen gibt, von denen man erst hinterher weiß, ob sie richtig oder falsch waren. Aber in der genannten Situation gibt es kein wenn und kein aber. Es gibt nur ein einziges „richtig“. Und wenn ich irgendwann mal eine Skatschule eröffne (keine Angst, das tue ich Euch nicht an), dann wird dies das Thema der ersten Stunde am ersten Tag sein.

Skat in Zahlen (2)

Nachdem ich mich im letzten Beitrag hauptsächlich auf den Anteil der Grandspiele konzentriert habe, möchte ich in diesem Beitrag noch ein paar weitere Zahlen nachreichen.

Analysiert wurden alle in den letzten Jahren im Turnierbereich gespielten Spiele, insgesamt 17.967.106 Stück. Die Zahlen weichen von den Zahlen im letzten Beitrag ab, da ich die Zahlen anders aufbereite (eingepasste Spiele sind in der Gesamtbetrachtung ausgenommen). Zudem sind inzwischen ein paar tausend Spiele hinzugekommen.

Eingepasste Spiele 4,9%
Farbe (Grundwert) insg. gew. verl.
Ingsesamt 95,1% 81,64% 18,36%
Karo 10,7% 77,5% 22,5%
Herz 13,4% 77,7% 22,3%
Pik 16,2% 77,9% 22,1%
Kreuz 21,1% 77,5% 22,5%
Grand 32,2% 91,4% 8,6%
Null 6,4% 70,7% 29,3%
Nullspiele insg. gew. verl.
Null 50,8% 70,7% 29,3%
Null Hand 1,8% 65,7% 34,3%
Null Ouvert 42,8% 86,9% 13,1%
Null Ouvert Hand 4,6% 91,1% 8,9%
Schneider (bei „verl“ = Eigenschneider) insg. gew. verl.
Ingsesamt 23,4% 97,9% 2,1%
Karo 8,7% 96,7% 3,3%
Herz 11,0% 96,9% 3,1%
Pik 13,6% 96,9% 3,1%
Kreuz 17,8% 96,8% 3,2%
Grand 48,9% 99,0% 1,0%
Schwarz (bei „verl“ = Eigenschwarz) insg. gew. verl.
Ingsesamt 1,4% 98,1% 1,9%
Karo 3,0% 93,0% 7,0%
Herz 3,8% 93,8% 6,2%
Pik 4,7% 94,6% 5,4%
Kreuz 6,3% 94,4% 5,6%
Grand 82,2% 99,0% 1,0%
Schneider angesagt insg. gew. verl.
Insgesamt 0,1% 97,4% 2,6%
Karo 1,3% 83,4% 16,6%
Herz 1,7% 82,7% 17,3%
Pik 1,7% 85,9% 14,1%
Kreuz 1,4% 88,4% 11,6%
Grand 93,9% 98,2% 1,8%
Schwarz angesagt insg. gew. verl.
Insg. 0,0%1) 45,3% 54,7%
Karo 1,7% 33,3% 66,7%
Herz 3,9% 43,0% 57,0%
Pik 2,2% 25,0% 75,0%
Kreuz 4,5% 25,0% 75,0%
Grand 87,7% 47,1% 52,9%
Ouvert insg. gew. verl.
Insgesamt 2,7% 94,4% 5,6%
Karo 12,3% 92,5% 7,5%
Herz 13,1% 92,7% 7,3%
Pik 14,3% 92,5% 7,5%
Kreuz 16,1% 92,7% 7,3%
Grand 44,2% 96,6% 3,4%

1) Die exakte Zahl ist 0,0011%. Schwarz angesagte Spiele, die nicht Ouvert gespielt werden, spielen statistisch also überhaupt keine Rolle. Bei den fast 18 Millionen betrachteten Spielen fielen gerade einmal 179 Stück in diese Kategorie.

Korrektur: Das seltenste Spiel im Skat

Man, da habe ich in dem Artikel „Das seltenste Spiel im Skat“ aber ganz schön daneben gelegen. Das seltenste Spiel im Skat ist nicht das offene Farbspiel. Nach Auswertung von fast 18 Millionen im Turnierbereich gespielten Spielen ist das seltenste Spiel ein ganz anderes. Irgendeine Idee?

Die Auflösung – inklusive weiterer interessanter Statistiken – gibt es am 20. Dezember.

Skat in Zahlen

Neulich hat sich ein Spieler bei mir beschwert. Er habe gerade bei Skat-Online eine 24er Serie gespielt. In dieser Serie habe es 9 Grands gegeben, das würde jeglicher Logik widersprechen und er habe so etwas in den vielen Jahren, in denen er Skat spiele, noch nie erlebt.

9 Grands in 24 Spielen fand ich nicht wirklich außergewöhnlich. Ich erinnere mich an eine Serie in einer Qualifikation zur Hessischen Einzelmeisterschaft in der wir in der ersten Hälfte einer 48er Serie von 24 Spielen ganze 22 Grands gespielt hatten. Alle wurden gewonnen.

Beim Skat werden zu jedem Spiel die Karten neu gemischt. Und der Zufall interessiert sich nunmal nicht dafür, wieviele Grands bereits ausgegeben wurden und wer diese bekommen hat. Der Zufall ist beim Skat gedächtnislos. Beim nächsten Spiel ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Grand ausgegeben wird, wieder genau so hoch wie im Spiel davor und im Spiel danach.

Aber wie hoch ist überhaupt die Wahrscheinlichkeit für einen Grand beim Skat? Genau ausrechnen lässt sich das natürlich nicht, denn da spielen noch eine Menge weiterer Faktoren eine Rolle wie die Risikofreudigkeit der Spieler. Zum Glück haben wir aber bei Skat-Online eine große Datenbank mit Daten aus Millionen von Spielen.

Bei einer Analyse über alle im Turnierbereich gespielten Spiele kam ich zu folgender Verteilung:

Eingepasste Spiele 4,97%
Karo 10,19%
Herz 12,67%
Pik 15,39%
Kreuz 20,07%
Grand 30,64%
Null 6,07%

In der Liga-Datenbank waren die Ergebnisse ähnlich, allerdings wird in der Liga etwas defensiver gespielt, so dass die Anzahl der eingepassten Spiele etwas höher (5,23%) und die Anzahl der Grand etwas niedriger (26,49%) war.

Dieses Ergebnis entspricht meinen Erwartungen. Grand ist nunmal das Spiel mit dem höchsten Grundwert und überbietet damit die meisten Null- und Farbspiele. Wenn ein Spieler einen Grand hat, wird er ihn mit großer Wahrscheinlichkei auch spielen. Hinzu kommen die Grands, die gespielt werden, weil ein Spieler sein Farbspiel durch einen Buben im Skat überreizt hat oder wo ein Grand gewagt wird, weil man ein gutes Blatt nicht für einen Null Ouvert hergeben möchte.

Aber sind die Zahlen repräsentativ? Sieht das beim „Offline“-Skat vielleicht ganz anders aus? Natürlich ist es beim Offline-Skat nicht ganz so einfach, ein paar Millionen Spiele zu untersuchen. Glücklicherweise haben Frank Schettler und Günter Kirschbach im Buch Das große Skatvergnügen“ (Amazon Link, leider nur noch gebraucht erhältlich) immerhin 20.000 Spiele ausgewertet (alle Zahlen sind hier auch online verfügbar, vielen Dank an Thomas Kinback für den Hinweis).

Eingepasste Spiele 1,98%
Karo 10.99%
Herz 13,45%
Pik 16,81%
Kreuz 22,06%
Grand 29,99%
Null 6,69%

Die Zahlen sehen sich wirklich ziemlich ähnlich.

Doch nun zurück zu der außergewöhnlichen Serie, bei der 9 von 24 Spiele ein Grandspiel waren. Das entspricht einer Quote von 37,5% und liegt damit tatsächlich über dem Durchschnitt von 30%. Bei einer so geringen Spieleanzahl ist eine Abweichung von 7,5% aber so gering, dass man eher von einer durchschnittlichen Serie sprechen muss. Bereits bei zwei Grands weniger (7 von 24) läge der Grand-Anteil unter der 30%-Marke.

Aber Zufall ist nunmal Zufall. So gibt es bei uns auch 24er Serien, in denen nur ein oder zwei Grands gespielt wurden und genauso gibt es 24er Serien, bei der deutlich mehr als die Hälfte aller gespielten Spiele Grands waren.

264? Ja!

Das höchst mögliche Reizgebot beim Skat ist 264. Das entspricht einem Grand Ouvert mit vieren (Mit 4 Spiel 5 Hand 6 Schneider 7 angesagt 8 Schwarz 9 angesagt 10 Ouvert 11 Mal 24 = 264). Beim „Offline“-Skat wird dieser Reizwert wohl eher selten gereizt werden. Die Gegenspieler werden viel früher passen oder der Spieler mit dem Grand Ouvert sagt diesen während des Reizens an („Irgendwer mehr als ein Grand Ouvert?“).

Beim Online-Skat hatten wir zu Beginn von Skat-Online ab und an den Fall, dass Spieler diesen Reizwert genannt haben in der Hoffnung, dass ein Spieler mit einem guten Blatt zu schnell auf „Ja“ klickt, da er von der Sprungreizung überrascht wurde. Dieser Spieler hat sein Spiel damit natürlich überreizt und wird es ziemlich teuer verlieren.

Wir haben bereits sehr früh auf diese Unsportlichkeit reagiert. Wird jetzt bei Skat-Online ein Reizwert übersprungen, wird der „Ja“-Button erst mit einer Verzögerung von zwei Sekunden aktiv.

Dennoch kommt es – wenn auch sehr selten – vor, dass ein Spieler trotzdem auf den Bluff mit der hohen Reizung hereinfällt. Gerade neulich erreichte mich eine entsprechende Beschwerde mit der Bitte, den Spieler zu verwarnen und die Bewertung des Spiels rückgängig zu machen.

Ersteres haben wir gemacht. Zweiteres war nicht möglich. ISkO 3.3.8 ist hier eindeutig:

Die Erklärung des Passens sowie das Bieten und Halten eines Reizwertes sind unwiderruflich […].

Als es die Verzögerung beim „Ja“-Button noch nicht gab, hatten wir das beim Internationalen Skatgericht angefragt, das dieses Vorgehen entsprechend bestätigt hat. Auszüge aus der Begründung:

Der Unterschied zwischen Computerskat und Realität unterscheidet sich darin, dass beim Computerskat der Reizwert angezeigt und in der Realität akustisch zu vernehmen ist. In beiden Fällen müssen die Mitspieler darauf achten, was angesagt bzw. angezeigt wird. In dem o.g. Fall hat Vorhand übereilt und ohne den angezeigten Reizwert zu überprüfen, diesen mit „Ja“ bestätigt. Nachdem kein höheres Reizgebot erfolgt ist (erfolgen kann), ist Vorhand verpflichtet, ein Spiel mit dem gehaltenen Reizgebot anzusagen und durchzuführen.

Da Vorhand einen Grand spielen will ist wahrscheinlich ausgeschlossen, dass Mittelhand einen Grand ouvert spielen kann. Dieses überhöhte Reizgebot wurde sicher mit dem Hintergedanken abgegeben, dass Vorhand dieses Gebot (ohne den Reizwert zu überprüfen) bestätigt. Wenn Vorhand den Reizwert überprüft und gepasst hätte, wäre Mittelhand verpflichtet gewesen, ein Spiel entsprechend des letzten Reizgebotes durchzuführen. Da es offensichtlich ist, dass Mittelhand (vorsätzlich) ein Reizgebot über ein Spiel abgegeben hat, das er nicht gewinnen (durchführen) kann, ist Mittelhand in jedem Fall zu verwarnen und im Wiederholungsfall vom weiteren Spiel auszuschließen.

[…]

Update 10:37 Uhr: Ein Grand Ouvert mit 4en hat natürlich den Reizwert 264, nicht 268. Danke, Thomas!

Das einmal gewonnene Spiel

Ein Skat-Online-Spieler hat sich bei mir beschwert. Er war Alleinspieler und einer der Gegenspieler hatte während des Spiels ein technisches Problem, weswegen das Spiel abgebrochen wurde. Obwohl nicht er, sondern ein anderer Spieler das Problem hatte, wurde ihm das Spiel als verloren abgerechnet.

Ich hatte mir das Spiel angeschaut und kam zu dem Ergebnis, dass alles seine Richtigkeit hatte. Der Abbruch erfolgte im siebten Stich des Spiels, zu diesem Zeitpunkt hatte der Alleinspieler sein Spiel bereits verloren. Durch den Spielabbruch gingen der siebte und alle weiteren Stiche an den Alleinspieler.

Der Spieler war damit nicht einverstanden. Er bestand darauf, dass das Spiel durch den Spielabbruch zu seinen Gunsten gewertet werden sollte.

Die Skatordnung ist in diesem Punkt aber eindeutig. Ein einmal verlorenes Spiel kann auch durch einen Regelverstoß der Gegenpartei nicht mehr gewonnen werden. Dies ist in 4.1.3 der Internationalen Skatordnung geregelt, auf die bei allen in der Skatordnung beschriebenen Regelverstößen verwiesen wird:

Unberechtigtes Ausspielen beendet das Spiel. Ist es bereits entschieden, gewinnt die betreffende Partei mit den von ihr bis dahin eingebrachten Augen.

Im Anhang zur Skatordnung („Wissenswertes für den Skatspieler“) ist dies auch nochmal ausführlich beschrieben:

Wie bei einem Rennen mit dem Zerreißen des Zielbandes der Sieg unwiderruflich feststeht, so ist es auch hier mit dem 61. Auge für den Alleinspieler. Ein Spiel, das bereits gewonnen ist, kann nie mehr verloren werden.

Skat-Online setzt den Ausstieg aufgrund technischer Gründe mit einer Spielaufgabe dieses Spielers gleich. Und auch bei einer Spielaufgabe durch die Gegenspieler wird – wenig überraschend – auf ISkO 4.1.3 verwiesen.

Das alles überzeugte den Spieler nicht, er wolle doch mal sehen, ob andere Plattformen das nicht besser lösen würden. Würde mich wundern…

Das eingepasste Spiel

Wenn alle drei Spieler passen, dann ist das Spiel damit beendet. Es wird als „eingepasst“ in die Liste eingetragen, kein Spieler erhält oder verliert Punkte. Ein „vergeudetes“ Spiel sozusagen. Der einzige Spieler, der einigermaßen von einem eingepassten Spiel profitiert ist der Kartengeber an einem Vierertisch, da keiner der spielenden Spieler punktet.

Erfahrungsgemäß gibt es bei Turnieren über ein oder zwei Serien weniger eingepasste Spiele als bei Meisterschaften und Turnieren über mehrere Serien. Ist ja auch verständlich, bei kurzen Turnieren ist man durchaus eher einmal bereit, auch mit einem schwachen Blatt 18 zu sagen, bei längeren Turnieren vermeidet man eher mal riskante Spiele.

Ich erinnere mich an eine Quali zur Deutschen Mannschaftsmeisterschaft. Hier haben wir in einer Serie (48 Spiele) ganze 13 Spiele eingepasst. Mehr als drei Runden wurden also nicht gespielt. Wir haben uns bei jedem der 13 Spiele den Skat angeschaut, bei einer Mehrheit der Spiele hätte keiner der Spieler ein brauchbares Spiel zusammenbekommen. Kein einziges Mal hat ein Spieler einen „Riesen“ verpasst.

Das ist natürlich eher die Ausnahme. Ich habe mal in unserer Turnier- und Ligadatenbank geschaut. In der Skat-Online Liga wurden 5,23% der Spiele eingepasst, also etwas mehr als eins von 20 Spielen bzw. 1,9 Spiele je 36er Serie.

Im Turnierbereich kommen wir auf 4,97% der Spiele (entspricht 1,8 Spiele je 36er Serie), hier zeigt sich also, dass im Turnierbereich offensiver gereizt wird.

Es kommt natürlich immer sehr stark auf die am Tisch beteiligten Spieler an. Es gibt Tische, da sind eingepasste Spiele von vornherein so gut wie ausgeschlossen. Stoßen defensive Spieler aufeinander, steigt die Anzahl.

Ich bin eher ein offensiver Spieler und wenn es nur um mich gegangen wäre, hätte es in der Serie bei der Quali keine 13 eingepassten Spiele gegeben. Allerdings hatte ich 7 davon selbst gegeben und bei einem Mannschaftsturnier spielt man nunmal nicht nur für sich. Zum Glück, ich hätte die meisten Spiele wohl verloren.