Die Tücken des Handspiels

Neulich bekam ich eine E-Mail, Skat-Online habe ein Spiel falsch abgerechnet. Er habe Kreuz Hand ohne zwei gespielt und bis 48 gereizt. Er habe über 70 Augen erreicht und dann habe Skat-Online ihm das Spiel als überreizt und damit verloren abgerechnet.

Diese E-Mails erhalte ich nicht gerade selten. Ich frage dann zunächst nach, ob denn ein Bube im Skat gelegen habe. Ja, aber das spiele ja keine Rolle, denn er habe ja Hand gespielt.

Meiner Meinung nach ist dies einer der häufigsten Irrtümer beim Skat. Darauf angesprochen argumentiere ich natürlich zunächst mit der Internationalen Skatordnung:

ISkO 2.2.1: Der Skat steht in allen Fällen dem Alleinspieler zu.

Und:

ISkO 5.4.2: Erreicht ein Handspiel den gebotenen oder gehaltenen Reizwert nicht, weil ein Spitzentrumpf im Skat lag, hat sich der Alleinspieler überreizt und somit das Spiel auch dann verloren, wenn von ihm mehr als 60 Augen eingebracht worden sind. Es ist das Vielfache des Grundwertes des angesagten Spiels zu berechnen, dass der Reizwert mindestens eingestellt wird. […]

Auch bei einem Handspiel zählen also Trümpfe im Skat zu den Spitzen. Damit ist schonmal klar: Skat-Online hat das Spiel korrekt abgerechnet.

Nicht selten wird jetzt das Regelwerk angegriffen. Diese Regel sei unfair, denn wenn man als Alleinspieler den Skat nicht einsehen kann, könne man wohl kaum für im Skat liegende Spitzentrümpfe bestraft werden.

Gibt es hier tatsächlich Nachholbedarf für die Internationale Skatordnung?

Aber schauen wir uns erstmal an, warum man überhaupt Hand spielt.

1. Zur Maximierung der Spielpunkte

Wenn ich ein unverlierbares Spiel auf der Hand habe und nicht erwarte, durch den Skat einen höheren Grundwert zu erreichen (z.B. Grand statt Farbspiel), dann lasse ich den Skat liegen. Bestes Beispiel ist unser gemauertes Spiel aus dem Beitrag Mauern gibt’s nicht – oder doch?. Es gibt nur sehr wenige Karten, die aus dem Spiel einen Grand machen. Also kann man den Skat gleich liegen lassen und die 12 zusätzlichen Punkte beim unverlierbaren Kreuz Hand mitnehmen.

2. Um einen höheren Reizwert zu erhalten

Das sind die Spiele, um die es hier geht (zumindest die, bei denen „ohne“ gereizt wird). Wenn ich ein Spiel verlieren kann, dann werde ich es kaum aus der Hand spielen, denn ich werde versuchen, mein Blatt durch den Skat zu verbessern. Wenn ich aber ein Spiel nicht spielen kann, weil einer der Mitspieler über mein maximales Reizgebot bietet, dann kann ich durch ein Handspiel den Reizwert erhöhen und so versuchen, doch noch an das Spiel zu kommen.

Man kann sich auch entscheiden, aus der Hand zu spielen, obwohl der maximale Reizwert noch nicht erreicht wurde. Angenommen, ich reize ein Herz ohne 3 und muss bis 40 reizen, um es zu erhalten. Wenn mein Blatt bereits einigermaßen stark ist, entschließe ich mich vielleicht zum Handspiel. Zum Einen lasse ich die Gegenspieler über meine Trümpfe im Unklaren (man wird eher von einer Reizung „ohne 2“ ausgehen), zum Anderen sichere ich mich gegen einen Spitzentrumpf im Skat besser ab. Ich gewinne auch dann, wenn der Herz Bube im Skat liegt. Und wenn ein schwarzer Bube im Skat liegt, dann gewinne ich immerhin noch, wenn ich die Gegenspieler Schneider spiele.

Aber zurück zu unserer Ausgangssituation: Benachteiligt die Skatordnung unverhältnismäßig den Alleinspieler bei Handspielen, in dem Trümpfe im Skat zu den Spitzen gezählt werden?

Angenommen, der Alleinspieler erreicht bei seinem bis 48 gereizten Kreuz Hand 59 Augen. Er schaut in den Skat und dort liegt der Pik Bube und eine Lusche. Die Gegenspieler haben also auch genau 59 Augen. Der Alleinspieler möchte nicht, dass der Pik Bube zu seinen Spitzen zählt, denn dann hat er sich überreizt und das Spiel verloren. Die zwei Augen, die der Pik Bube zählt, möchte er aber sicherlich schon haben. Denn der Skat steht ja dem Alleinspieler zu.

Und er profitiert nicht nur wegen der Augen von dem Spitzentrumpf. Denn da der Spitzentrumpf im Skat liegt, sitzt er nicht bei einem der Gegenspieler, der damit vielleicht einen zusätzlichen Stich macht (oder wenigstens die zwei Augen zusätzlich einbringen kann).

Weiter angenommen, ein Spieler reizt Kreuz ohne drei bis 48 und schaut in den Skat. Dort findet er den Pik Buben. Jetzt weiß er, dass er sich überreizt hat und kann entsprechend reagieren. Er kann z.B. auf einen Grand ausweichen (der durch den Buben vielleicht sogar gewonnen wird). Aber wenn Grand keine (gewinnbare) Option ist, was dann? Müsste man dem Spieler denn dann nicht zugestehen, dass er den Pik Buben wieder drücken kann, damit er nicht zu den Spitzen zählt?

Handspiele erhöhen den Reiz- und Spielwert um eins. Der Spieler profitiert also beim Reizen davon, dass er aus der Hand spielt. Zudem ermöglicht ihm das Handspiel weitere Gewinnstufen wie Schneider, Schwarz oder Ouvert anzusagen. Und genau das – und nur das – ist der Vorteil des Handspiels. Alle anderen Skatregeln bleiben beim Handspiel unverändert. Das Spiel wird immer gleich gespielt und abgerechnet, egal ob der Alleinspieler Hand spielt oder nicht. Neben der zusätzlichen Reiz- und Spielstufe dem Alleinspieler noch weitere Zugeständnisse zu machen wäre unverhältnismäßig. Wem das Risiko zu groß ist, der kann problemlos auf diese Möglichkeit verzichten und überlässt die Spiele den Gegenspielern, indem er rechtzeitig passt. Eine Verpflichtung zum Handspiel gibt es nicht.

Noch ein kleiner historischer Exkurs zum Abschluss:

Vor der Geburtsstunde der Internationalen Skatordnung (also vor 1999) gab es eine einzige weitere Unterscheidung zwischen Handspielen und Spielen mit Skataufnahme. Handspiele zählten im Verlustfall nicht doppelt. Ein einfaches Karo Hand zählte also gewonnen oder verloren genau 27 Punkte. Eine Regel, der ich keine Träne nachweine. Oft genug habe ich es erlebt, dass ein Spieler nur deshalb Hand gespielt hat, weil er ein schlechtes Blatt auf der Hand und das Handspiel als „Billigmacher“ verwendet hatte. Nicht wenige Spiele wurden mir auf diese Weise abgereizt.

3 Gedanken zu “Die Tücken des Handspiels

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