Abweichungen von der ISkO beim Online-Skat (3)

Im ersten Teil der Serie haben wir uns eine Regel angeschaut, die in Skat-Online sinnerhaltend gekürzt wurde. Im zweiten Teil haben wir eine Regel behandelt, die wir in Skat-Online komplett modifiziert haben. In diesem Teil schauen wir uns die größte Menge der Anpassungen an: Die entfallenen Regeln.

Und davon gibt es eine ganze Menge. Sehr viele Regeln der Internationalen Skatordnung sind in der Skat-Online Skatordnung ersatzlos entfallen.

Ein Beispiel:

ISkO 3.2.3: Werden vom Kartengeber die Karten beim Mischen gestochen oder geblättert, so ist vor dem Abheben noch einmal durchzumischen.

Warum es diese Regel in der Skat-Online Skatordnung nicht gibt, ist klar: Es gibt in Skat-Online keine „echten“ Karten. Es ist also gar nicht möglich, Karten beim Mischen zu blättern. Also gibt es auch keine Erfordernis, die Karten vor dem Abheben nochmal durchzumischen.

Ein Großteil der entfallenen Regeln beschäftigt sich mit Situationen, die es im Online-Skat überhaupt nicht geben kann. Noch ein Beispiel:

ISkO 3.2.14: Ein Spieler, der während oder nach ordnungsgemäßem Geben den Skat ansieht oder aufwirft, darf nicht am Reizen teilnehmen.

Auch diese Situation kann überhaupt nicht eintreten. Skat-Online sorgt dafür, dass der Skat nicht unberechtigt eingesehen werden kann, also entfällt diese Regel ersatzlos.

Auf den ersten Blick ist das nachfolgende Beispiel ebenfalls aus dieser Kategorie, dennoch ist es hier etwas anders:

ISkO 4.2.3: Hat jemand eine ausgespielte Farbe oder geforderten Trumpf nicht bedient, obwohl es möglich war ist das Spiel sofort beendet und nach den Bestimmungen 4.1.3 bis 4.1.6 zu entscheiden. Wird Weiterspielen verlangt, ist der Fehler zu berichtigen.

In Skat-Online ist es nicht möglich, falsch zu bedienen. Daher kann die Regel entfallen. Die Frage ist aber, ob Skat-Online damit, dass es falsches Bedienen verhindert, unverhältnismäßig in das Skatregelwerk eingegriffen hat.

Viele der entfallenen Regeln haben für das Skatspiel selbst keinerlei Bedeutung (im obigen ersten Beispiel wird der Fehler einfach korrigiert und nochmal neu durchgemischt). Bei dem letzten Beispiel ist das aber anders. Der Verstoß gegen diese Regel kann den Spielausgang wesentlich beeinflussen! Es gibt weitere Beispiele, die ich hier auflisten möchte (Liste nicht vollständig):

  • Ungültige Spielansage (ISkO 3.4.4 bis 3.4.5)
  • Zu viele oder zu wenige Karten gedrückt (ISkO 3.4.6)
  • Skateinsicht nach Spielansage (ISkO 3.4.8)
  • Unberechtigtes Ausspiel (ISkO 4.1.3 bis 4.1.8)
  • Zwei oder mehr gleichzeitig ausgespielte Karten (ISkO 4.1.9)
  • Zu viel oder zu wenige Karten auf der Hand (ISkO 4.2.6)
  • Spielbeeinflussendes Vorziehen einer Karte (ISkO 4.2.7)
  • Aufdecken des Skats (ISkO 4.2.8)
  • Kartenverrat (ISkO 4.2.9)
  • Korrektes Einziehen der Stiche, Nichteinziehen von Stichen (ISkO 4.4.4, 4.4.5)
  • Nachsehen von Stichen (ISkO 4.4.6)

Bleiben wir aber stellvertretend bei dem genannten Beispiel: Es ist in Skat-Online nicht möglich, falsch zu bedienen. Ein deutlicher Unterschied zum „Offline“-Skat. Dort geht das, und es kommt in der Praxis auch ziemlich häufig vor.

Es geht hier auch nicht darum, dass es nicht möglich wäre, diese Regel umzusetzen. Auf den ersten Blick ist das sogar sehr einfach: Man erlaubt, jede Handkarte zu spielen und der Computer meckert, wenn falsch bedient wurde. Das wäre aber nur eine sehr unzureichende Umsetzung, tatsächlich gehört noch etwas mehr dazu:

Die Gegenpartei (also die Partei, die nicht falsch bedient hat) muss die Gelegenheit bekommen, trotz Regelverstoß weiterzuspielen (weil sie eine höhere Gewinnstufe erreichen möchte). Zudem darf der Fehler gar nicht automatisch vom Computer reklamiert werden, die Reklamation muss durch einen Spieler erfolgen. Wird ein Regelverstoß nämlich nicht reklamiert, gilt er als nicht begangen (vergleiche z.B. ISkO 4.1.7: Wird unberechtigtes Ausspielen erst bemerkt, nachdem der Stich vollendet ist, muss auf rechtmäßiges Ausspielen erkannt werden […]).

Und das macht die Umsetzung deutlich komplizierter. Es muss ein „Reklamieren“-Button eingeführt werden. Die Art der Reklamation muss dann ausgewählt werden. Der Computer muss prüfen, ob die Reklamation berechtigt war. War sie es, muss die Partei entscheiden, ob dennoch weitergespielt wird oder nicht. Falls ja, muss der Regelverstoß (der ggf. mehrere Stiche zurücklag) korrigiert und von dort aus weitergespielt werden.

Ziemlich kompliziert. Ich kenne kein einziges Skatprogramm, das sich diese Mühe gemacht hat. Es gab aber tatsächlich mal ein Skatprogramm, das die vereinfachte Umsetzung wie oben beschrieben realisiert hatte. Es handelte sich nicht um ein Online-Skatspiel, sondern „nur“ um ein Spiel gegen die KI des Computers. Man konnte hier falsch bedienen und der Computer hat dann das Spiel sofort beendet und gemäß ISkO abgerechnet.

Kommen wir aber nun zur Bewertung dieser Einschränkung: Ist es ein Manko, dass ein Online-Skatspiel diese Regeln nicht 1:1 umsetzt und stattdessen einfach per Programm dafür sorgt, dass solche Verstöße gar nicht erst begangen werden können?

Auch hier gilt, was ich in den anderen Teilen dieser Serie geschrieben habe: Online-Skat ist nicht „Offline“-Skat. Wäre es möglich, beim Online-Skat falsch zu bedienen, dann würde dies wesentlich häufiger vorkommen als beim „Offline“-Skat. Um mit echten Karten in der Hand falsch zu bedienen sind wesentlich mehr Schritte erforderlich. Ich schaue auf den Tisch und dann in meine Handkarten und suche dort die passende Karte. Ich nehme diese Karte in die Hand und ziehe sie aus meinen Handkarten. Dann lege ich die Karte zu den anderen Karten auf den Tisch. Online positioniere ich meinen Mauszeiger und klicke darauf. Und nur weil ich einmal zwei Pixel danebengeklickt habe, soll ich gleich mein Spiel verlieren?

Online-Skat ist hier also viel „ehrlicher“ als „Offline“-Skat. Spiele können nur durch reines Können gewonnen bzw. verloren werden. Und nicht wegen einer kleinen Unaufmerksamkeit oder weil zwei Karten zusammenkleben.

Diese Regelreduktion wird allgemein auch akzeptiert. Mit der einzigen oben erwähnten (und sehr halbherzig umgesetzten) Ausnahme hat kein einziges mir bekanntes Skatprogramm diese Regeln implementiert. Und das hat sicherlich nichts damit zu tun, dass die Programmierer zu faul dazu waren, sondern dass auch hier wieder weniger mehr ist: Das Fehlen der Regeln steigert die Qualität und mindert sie nicht.

Im vierten und letzten Teil der Serie geht es um eine Regel, die wir eigens für Skat-Online entwickelt haben und die man in der ISkO vergeblich sucht.

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